DLOUHÁ STOKA (Der Flossgraben), ein bewundernswertes Wasserbauwerk unserer Vorfahren
Sie stehen am Floßgraben (Dlouhá stoka), einem bedeutenden technischen Denkmal, das an die Zeit des hiesigen Zinnbergbaus erinnert. Der Minenbesitzer und reiche Feudalherr Hans Pflug von Rabenstein erteilte dem Markscheider Rössmeisl den Auftrag, eine Lösung zu finden, wie das für diese Betriebe so dringend benötigte Wasser herbeigeführt werden könnte. Dieser entwarf die Pläne für einen Wassergraben namens Floßgraben, der heute im Tschechischen „Dlouhá stoka“ genannt wird.
Seine Trasse beginnt am Glatzer Teich (Kladský rybník) und führt bis ins entfernte Schönfeld (Krásno) und Schlaggenwald (Horní Slavkov). Mit einer stattlichen Länge von 24,2 km wurde er innerhalb von sechs Jahren, von 1531 bis 1536, erbaut. Der künstliche Wasserkanal entstand wahrscheinlich an der Stelle eines älteren Bauwerks aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Das Wasser wurde für eine Vielzahl von Bergbaubetrieben in der Umgebung von Schlaggenwald sowie für den Holztransport benötigt, da die Holzvorräte in der unmittelbaren Nähe der Minen bereits erschöpft waren. Während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in der Blütezeit des Bergbaus, wurde das Wassersystem stetig verbessert. Es bestand schließlich aus einem über 30 km langen Kanalnetz. Teil des Systems war auch ein Komplex von zehn großen Kunstteichen (Bergbauteichen). Der Graben speiste 52 Pochwerke, besaß 35 Brücken, 14 Schleusen und 2 Aquädukte. Die Breite des Wassergrabens betrug im Durchschnitt etwa zwei Meter bei einer Tiefe von 1 Meter. Später wurde er an den Seiten mit Baumstämmen ausgekleidet, vor allem wegen des Transports von Holz aus den Wäldern. Mit dem Holzflößen selbst wurde jedoch erst nach 1547 begonnen.

Fachleute bewundern am meisten den Abschnitt vom Glatzer Teich nach Dily (Dílce), wo auf einer Länge von 21 km der Höhenunterschied lediglich 75 Meter beträgt – das entspricht nur 35 cm auf 100 Meter! Für die damalige Zeit handelte es sich um ein Wasserbauwerk, das im Mitteleuropa des 16. Jahrhunderts weder in seinem Ausmaß noch in seiner Ausführung seinesgleichen suchte. Erst später entstanden ähnliche Kanäle in Deutschland oder in der Slowakei. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging der Zinnbergbau im Schlaggenwalder Revier allmählich zurück. In den Jahren 1601–1608 fand die erste große Rekonstruktion statt, und weitere umfassende Instandsetzungen wurden im Jahr 1908 durchgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bett zunächst durch teilweise Verfüllung verengt, und beim anschließenden Uranerzbergbau wurden viele kleinere Wasserbauwerke zerstört. Zur Verwüstung trugen auch die Staatsgüter (Státní statky) bei, die das Grabenbett zur Viehtränkung umleiteten und es an einigen Stellen sogar unterpflügten.

Im Jahr 2005 begann die Renovierung. Heute ist die gesamte Trasse wieder funktionstüchtig und wasserführend, und entlang einiger Abschnitte wurde der ursprüngliche Weg wiederhergestellt. Seit 2003 steht der Floßgraben auf der Liste der Kulturdenkmäler. Eine Kuriosität ist, dass im Jahr 1954, als die Armee den Truppenübungsplatz Prameny verließ, der Restbuchwert dieses gesamten Wasserbauwerks in den Büchern mit gerade einmal 0,90 Kčs (Tschechoslowakischen Kronen) angegeben war.







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