PLUHŮV BOR, ursprüngliche Kiefernwälder auf Serpentinit
Die Baumart, die dem spezifischen Serpentinit-Untergrund am besten widersteht, ist die Kiefer. Der Fichten-Wirtschaftswald, der hier in der Vergangenheit stellenweise gepflanzt wurde, wird auf den Serpentiniten schrittweise wieder in lichtere Kiefernwälder umgewandelt. Serpentinit-Kiefernwälder weisen meist eine reich entwickelte Krautschicht auf, in der eine Reihe seltener Arten wächst.

Das Nationale Naturreservat Pluhův bor schützt den ausgedehntesten Serpentinit-Kiefernwald (Hadcový bor) natürlichen Charakters im Kaiserwald (Slavkovský les). Trotz gezielter Naturschutzmaßnahmen und einer schonenden forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung gelingt es hier jedoch langfristig nicht, die natürliche Verjüngung des Waldes zu sichern. In den letzten Jahrzehnten hat hier nämlich der gebietsfremde Sika-Hirsch, der in der gesamten Region stark übervermehrt ist, ein ruhiges Rückzugsgebiet gefunden. Er schädigt die natürliche Verjüngung sowie die Kiefernanpflanzungen und auch die Krautschicht des Waldes erheblich. Der Druck des übervermehrten Wildes ist mancherorts sogar so stark, dass die Vegetation auf großen Flächen völlig fehlt. Die Kiefernwälder verwandeln sich so allmählich in artenärmere und schattigere Wälder mit einem höheren Fichtenanteil.
Vor der Ankunft des Menschen brannten die hiesigen Serpentinit-Kiefernwälder relativ häufig, im Durchschnitt einmal alle 170 Jahre. So entstanden sehr spezifische, lichte Kiefernwälder mit einer hohen Deckung an Zwergsträuchern – Heidekraut, Schneeheide, Heidelbeere und Preiselbeere. Der lichte Wald ermöglichte das Überleben einiger lichtliebender Pflanzen, die in der überwiegend waldfreien mitteleuropäischen Landschaft während der letzten Eiszeit vorkamen. Einige dieser Pflanzen entwickelten sich im Laufe der Jahrtausende zu neuen Arten, die sich an die spezifischen Bedingungen auf Serpentinit so stark anpassten, dass sie anderswo nicht mehr wachsen können – wie zum Beispiel die Serpentinit-Knautie oder das Alsinenblättrige Hornkraut, das nur im Gebiet der Einsiedler Serpentinite (Mnichovské hadce) und nirgendwo sonst auf der Welt wächst. Weitere typische und seltene Arten jsou beispielsweise die Schneeheide, die Buchs-Kreuzblume oder die Wald-Nelke. Auf den Serpentinitfelsen in den Kiefernwäldern kommen zahlreiche Populationen seltener Serpentinitfarne vor – der Keilblättrige Streifenfarn und der Bastard-Streifenfarn.
Mit der Ankunft des Menschen im Mittelalter brannten die hiesigen Wälder noch häufiger, und noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts überwogen auf einem bedeutenden Teil des heutigen Reservatsgebiets völlig offene Heideflächen. Das Bestreben der heutigen Naturschützer und Förster ist es, die Rotwildpopulation (Sikawild) deutlich zu reduzieren und so die natürliche Verjüngung der Kiefernwälder wieder in Gang zu bringen. Die gegenwärtige ungünstige Entwicklung der Vegetation wird teilweise durch das Herausschneiden von Fichten aus dem Unterstand der alternden Kiefernwälder, das Lichtstellen von Felsstandorten und die Anlage von Wildschutzzäunen kompensiert. In den Zäunen sind jedoch bis heute keine Kiefern herangewachsen – gelegentliche Beschädigungen der Umzäunung durch Windwurf oder Astbruch ermöglichten es dem übervermehrten Wild, die sich verjüngenden Gehölze wiederholt vollständig zu vernichten.
BEDEUTENDE ARTEN DER LOKALITÄT
- Prächtige Rentierflechte (Cladonia portentosa)
- Geschwollene Becherflechte (Cladonia turgida)
- Bastard-Streifenfarn (Asplenium adulterinum)
- Keilblättriger Streifenfarn (Asplenium cuneifolium)
- Alsinenblättriges Hornkraut (Cerastium alsinifolium)
- Serpentinit-Knautie (Knautia serpentinicola)
- Schneeheide (Erica carnea)
- Wald-Nelke (Dianthus sylvaticus)
- Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus)
- Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris)
- Schwarzstorch (Ciconia nigra)
- Dreizehenspecht (Picoides tridactylus)






